Von „nicht beschulbar“ zur Ausbildung als Automobilkaufmann

Wer bin ich

Ich heiße Tim Stelling, geboren am 23. August 2007 in Hamburg-Barmbek. Aufgewachsen bin ich in Hamburg-Rahlstedt, zusammen mit meiner Familie und meiner kleinen Schwester. Mein schulischer Weg begann an der Grundschule Alt-Rahlstedt, wo ich die Vorschule sowie die erste bis vierte Klasse besuchte.

Nach der Grundschule wechselte ich auf die EKG Barsbüttel, die ich seit der fünften Klasse besuche – bis heute, inzwischen in der zwölften Klasse. In diesem Jahr werde ich die Schule verlassen. Mein nächster Schritt steht bereits fest: Zum 01.08.2026 beginne ich meine Ausbildung zum Automobilkaufmann in Bad Oldesloe. Nach dem ersten Ausbildungsjahr werde ich mein Fachabitur vollständig abgeschlossen haben.

In meiner Freizeit bin ich viel mit Freunden unterwegs, meist draußen, immer in Bewegung. Stillstand war noch nie mein Ding. Wenn ich heute auf meinen bisherigen Weg blicke, wirkt Vieles geradlinig – doch dieser Eindruck täuscht. Denn hinter diesen nüchternen Stationen steckt eine Geschichte, die lange alles andere als selbstverständlich war.

Was habe ich

Ich habe ADHS. Für viele ist das ein Schlagwort, für mich ist es etwas, das meinen Alltag schon sehr früh geprägt hat. Bereits in der Grundschule wurde das Thema wichtig – nicht, weil ich selbst wusste, was mit mir los war, sondern weil mein Verhalten immer wieder zu Konflikten führte.

Lehrer*innen sagten über mich, ich sei „nicht beschulbar“. Ein Wort, das hängen bleibt. An manchen Tagen musste ich schon nach der vierten Stunde nach Hause, weil es die Lehrer*innen einfach nicht mehr ausgehalten haben. Während andere Kinder in den Pausen auf den Schulhof rannten, durfte ich nicht mehr raus. Ich war zu laut, zu unruhig, zu viel.

Damals sagten viele, ich hätte einen „roten Knopf“. Wenn jemand ihn drückte – ein falsches Wort, ein Blick, eine Situation – ging ich an die Decke. Ich rastete aus, wurde aggressiv, verlor die Kontrolle. ADHS zeigte sich bei mir laut, sichtbar, unübersehbar. Ich brauchte Aufmerksamkeit, ich suchte Reibung, ich sprengte den Rahmen.

Heute ist dieser rote Knopf nicht mehr derselbe. Mein ADHS hat sich verändert – oder vielleicht habe ich gelernt, anders damit umzugehen. Ich bin noch immer oft laut, brauche Aufmerksamkeit, störe manchmal den Unterricht. Aber vieles spielt sich inzwischen in meinem Kopf ab.

Es fühlt sich an wie eine Achterbahnfahrt im Gehirn. Gedanken rasen, springen, überschlagen sich. Klar denken fällt mir schwer. Ich lasse mich schnell ablenken, vergesse Dinge, die mir vor zwei Minuten gesagt wurden. „Tim, räum auf.“ – „Tim, mach deine Aufgaben.“ Hausaufgaben werden vergessen, liegen gelassen, verdrängt.

ADHS ist für mich kein einzelnes Symptom, sondern ein ständiger Begleiter. Einer, der mir im Weg steht – aber mich auch geprägt hat. Wie ich mit diesem Begleiter durch meine Schulzeit gegangen bin, was ich gelernt habe und welche Höhen und Tiefen es gab, davon handelt diese Reportage.

Klasse 1–4 – Früh abgestempelt

Die erste Klasse war kein Neuanfang, sondern der Beginn eines Kampfes. Ich wurde viel gemobbt – wegen meiner Krankheit, wegen meines Verhaltens, wegen dieses sogenannten „roten Knopfs“, den andere bei mir gefunden hatten. Viele wussten genau, wie sie mich provozieren konnten. Ein Satz, eine Geste, ein Moment – und ich ging an die Decke.

So drehte sich das Bild schnell um: Ich war der, der ausrastete. Der Schlimme. Nicht der, der ruhig blieb, sondern der, der auffällig reagierte. Für mich war das kaum auszuhalten. Für mein Umfeld offenbar auch nicht.

Freunde hatte ich nur wenige. Ein oder zwei, die zu mir hielten, die ich auch außerhalb der Schule traf. Ansonsten spielte sich mein Leben meist zu Hause ab. Während andere Kinder nachmittags unterwegs waren, saß ich allein in meinem Zimmer. Schule war kein Ort, an den ich gern zurückdachte – sondern einer, den ich irgendwie überstehen musste.

Auch die Lehrer*innen wirkten überfordert. Ich spürte, dass sie nicht wussten, was sie mit mir anfangen sollten. Ich selbst wusste es ja auch nicht. Es gab Gespräche, Vorschläge, Diskussionen. Medikamente wurden thematisiert – meine Eltern waren davon nicht überzeugt. Dieses Thema würde uns noch lange begleiten.

Ich wurde nach Hause geschickt, weil es einfach nicht mehr ging. Einmal eskalierte eine Situation so sehr, dass sogar die Fahrradpolizei kommen musste – wegen mir. Heute erzählt man das vielleicht lachend. Damals war es alles andere als lustig. Es war beschämend, beängstigend und hinterließ Spuren.

In all dem gab es jedoch eine konstante Stütze: meine Mutter. Sie war die größte Unterstützung, die ich hatte. Sie war immer da, fuhr mich zur Therapie, stand zwischen Schule, Ärzten und mir. Selten war sie wirklich böse auf mich – auch wenn es natürlich Situationen gab, die sie zu Hause an ihre Grenzen brachten.

Am Anfang fiel es auch ihr schwer, mit meiner Krankheit umzugehen. ADHS war für sie nicht leicht zu verstehen, nicht leicht auszuhalten. Doch mit der Zeit lernte sie, mich zu lesen. Heute akzeptiert sie mich so, wie ich bin, nimmt mich ernst und versteht, dass vieles nicht Absicht ist, sondern Teil meiner Krankheit. Diese Akzeptanz hat mir Halt gegeben, als vieles andere wegbrach.

In der Grundschule galt ich als „nicht beschulbar“. Ein Urteil, das schwerer wog als jede Note. Man sah in mir keine Zukunft. Genau deshalb bin ich heute umso stolzer, meine Geschichte erzählen zu können.

Seit dem 15.12.2015 bin ich in Therapie – früher fast jede Woche, heute noch einmal pro Quartal. Sie ist zu einem festen Bestandteil meines Lebens geworden. Genauso wie der Versuch, mich selbst besser zu verstehen.

Klasse 5–7 – Neuanfang mit Hindernissen

Nach der vierten Klasse war klar: Diese Schule war vorbei. Für mich fühlte sich das gleichzeitig wie eine Erleichterung und wie Angst an. Erleichterung, weil etwas endete, das mich jahrelang überfordert hatte. Angst, weil ich nicht wusste, was jetzt kommen würde.

Meine Mutter wollte einen Neuanfang für mich. Einen Ort, an dem mich niemand kannte, an dem ich nicht schon abgestempelt war. Unsere erste Wahl war die EKG Barsbüttel – eine ruhige Gegend, wenig Trubel, ein kompletter Neustart. Wir bewarben uns dort und an ein, zwei weiteren Schulen, unter anderem an der Otto-Hahn-Schule.

Das Schicksal meinte es zunächst nicht gut. Absage um Absage. Am Ende blieb nur die Otto-Hahn-Schule übrig – für mich eine Katastrophe. Der Ruf der Schule war schlecht, meine Mutter war skeptisch. Trotzdem gab sie nicht auf. Sie kämpfte weiter, führte Gespräche. Und tatsächlich: Ich bekam doch noch einen Platz an der EKG.

Der Neuanfang war da – aber er hielt nicht lange. Auch an der neuen Schule fanden Mitschüler irgendwann meinen „roten Knopf“. Die Muster wiederholten sich. Provokationen, Eskalationen, Überforderung.

Irgendwann kam erneut das Thema Medikamente auf – diesmal zusammen mit der Idee eines Schulbegleiters. Ich begann mit der Medikation, und sie half mir. Ich wurde ruhiger, konnte mich besser konzentrieren, Situationen etwas klarer wahrnehmen. Perfekt war es nicht, aber es war ein Unterschied.

Mit den Medikamenten kam auch mein Schulbegleiter Herr Werner. Er half mir, Eskalationen früh zu erkennen. Wenn es zu viel wurde, ging er mit mir raus, blieb bei mir, passte auf mich auf. Draußen war ich oft nicht mehr kontrollierbar – ich schlug um mich, gegen Schränke, gegen mich selbst. Lehrer*innen konnten das nicht auffangen. Er konnte es. Er war da.

Neben ihm gab es zwei Lehrerinnen, ohne die mein Weg wahrscheinlich hier geendet hätte: Frau Jansen und Frau Hinz. Sie sahen nicht nur das Problem, sondern auch den Menschen dahinter. Sie unterstützten mich, glaubten an mich. Dafür bin ich bis heute dankbar.

Und natürlich war meine Mutter weiterhin da – konsequent, kämpferisch, erschöpft und trotzdem nie aufgebend.

In der siebten Klasse kam dann die Corona-Zeit. Für mich war sie auf eine seltsame Art beides: belastend und entlastend. Abstand von der Schule, viel Zeit zu Hause. Freunde hatte ich kaum – nur ein oder zwei aus der Grundschule. Also war ich meist allein, zockte viel, hing am Handy. Mein ADHS war nicht weg, aber es stand weniger im direkten Konflikt mit Schule.

Therapie, Medikamente und Schulbegleitung liefen weiter. Und so ging die Geschichte weiter – in die achte Klasse und darüber hinaus.

Klasse 8–10 – Langsame Normalität

Die achte bis zehnte Klasse waren für mich eine besondere Zeit. Ich war rund dreieinhalb Jahre auf dieser Schule, und zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass sich etwas veränderte. Die Mitschüler begannen langsam, mich so zu akzeptieren, wie ich bin. Nicht alle – Provokationen gab es weiterhin. Aber zumindest in meiner Klasse wurde es ruhiger. Die ständigen Konflikte unter Schülern nahmen ab.

Was blieb, waren die Auseinandersetzungen mit Lehrer*innen Diskussionen über Fairness, Regeln, Grenzen. Für mich war das ein schwieriges Thema. Ich hatte ein starkes Gerechtigkeitsgefühl und gleichzeitig große Probleme damit, Situationen auszuhalten, die sich für mich unfair anfühlten. Es kam immer wieder zu langen Gesprächen und Diskussionen. Wir mussten uns gegenseitig erst kennenlernen – und teilweise auch aushalten.

Therapie begleitete mich weiterhin, ebenso die Medikation, die in dieser Zeit höher eingestellt wurde. Rückblickend hat sich dadurch etwas Entscheidendes verändert: Früher war mein ADHS überall – im ganzen Körper, in jeder Bewegung, in jeder Reaktion. In dieser Phase zog es sich langsam in den Kopf zurück. Es war nicht weg, aber es bestimmte nicht mehr alles gleichzeitig. Ein Teil blieb – und bleibt bis heute.

Viele Lehrer*innen kannten mich inzwischen. Sie wussten, wer ich war, auch wenn sie nicht immer wussten, wie sie mit mir umgehen sollten. Meine Schwierigkeiten verschwanden nicht einfach. Aber sie wurden vorhersehbarer, kontrollierbarer.

Und dann veränderte sich noch etwas Entscheidendes: Ich fand Freunde. Spätestens nach der neunten Klasse begann ich, regelmäßig rauszugehen. Ich hatte eine feste Freundesgruppe. Wir verstanden uns, gingen respektvoll miteinander um. Sie akzeptierten mich so, wie ich bin – und ich sie. Zum ersten Mal fühlte sich das nicht wie Anpassung an, sondern wie Zugehörigkeit.

Langsam wurde mein Leben stabiler. Nicht perfekt. Aber besser.

Zwischen Nähe und Angst – Bindung mit ADHS

Ein Thema, das mich in dieser Zeit stark begleitet hat, war Bindung. Freundschaft, Nähe, Liebe. Als Mensch mit ADHS binde ich mich sehr schnell an andere. Das ist keine allgemeine Regel, sondern meine persönliche Erfahrung.

Gleichzeitig habe ich große Angst davor, verletzt oder enttäuscht zu werden – oder selbst eine Enttäuschung zu sein. Diese Gedanken laufen ständig mit. Egal ob in Freundschaften oder in Liebesbeziehungen.

Ich habe gelernt, dass es extrem wichtig ist, die richtigen Menschen um sich zu haben. Freunde, die mich so akzeptieren, wie ich bin. Menschen, mit denen man über Probleme reden kann, ohne Angst zu haben, verurteilt zu werden. Das gilt genauso für eine Partnerin.

Nähe kann schön sein – aber sie braucht Verständnis, Geduld und Ehrlichkeit. Ohne das funktioniert es nicht. Mit dem richtigen Umfeld dagegen kann sie unglaublich stabilisieren.

Diese Erkenntnis kam nicht auf einmal. Aber sie hat mir geholfen, mich selbst besser zu schützen – und trotzdem offen zu bleiben.

Sie war da – als andere gingen

Eine Person hat mich in all den Jahren besonders begleitet: Louisa.
Sie war diejenige, die mich am meisten unterstützt hat – auch dann, wenn andere Freunde sich abgewandt haben oder gegen mich waren.

Wir sind durch dick und dünn gegangen. Es gab Zeiten, in denen kaum jemand hinter mir stand. Louisa tat es trotzdem. Ohne große Erklärungen, ohne Erwartungen. Sie war einfach da.

Gerade für jemanden wie mich, der sich schnell bindet und gleichzeitig Angst hat, verletzt oder enttäuscht zu werden, ist diese Freundschaft unglaublich wichtig. Sie hat mir gezeigt, was echte Loyalität bedeutet – und dass es nicht viele Menschen braucht, sondern die richtigen.

Freunde in der Schule

In der Schule hatte ich das Glück, Menschen zu treffen, die mir wirklich gutgetan haben.

Jolie war eine wichtige Stütze für mich im Unterricht . Besonders im Matheunterricht half sie mir immer wieder, einen klaren Kopf zu bekommen. Wenn meine Gedanken durcheinandergerieten, blieb sie ruhig, geduldig und war einfach da.

Dann ist da Lion – mein bester Freund. Er versteht mein ADHS und kommt mit mir klar, ohne dass ich mich erklären oder verstellen muss. Für ihn ist es kein Problem – und genau das macht es für mich so leicht.

Und Filiz war jemand, der immer ein offenes Ohr hatte. Jemand, der hinsah, wenn andere wegsahen.

Diese Freundschaften haben mir gezeigt, wie wichtig es ist, in der Schule nicht viele, sondern echte Freunde zu haben. Menschen, die einen akzeptieren, verstehen und unterstützen – genau so, wie man ist.

Klasse 11–12 – Stolz trotz Chaos

Mit der elften Klasse kam noch einmal ein krasser Umschwung. Die Aggressionen, die mich früher begleitet hatten, waren fast vollständig weg. Es war sehr selten, dass ich noch ausrastete. Stattdessen schlich sich etwas anderes ein: Verzweiflung im Kopf.

Ich saß an meinem Arbeitsplatz, schaute auf meine Aufgaben – und sah keine Sätze mehr, keine klaren Buchstaben. Alles wirkte durcheinander, als würden die Buchstaben vor meinen Augen schweben. Ich konnte mich nicht mehr richtig fokussieren. Mein ADHS, war nicht verschwunden. Es hatte nur seinen Platz gewechselt. Früher war es in meinem ganzen Körper. Jetzt war es fast nur noch im Kopf.

Viele sagten zu mir: „Krass, dass du es überhaupt bis hierher geschafft hast.“ Und jedes Mal musste ich an die Grundschule denken. An die Zeit, in der man mir sagte: Du schaffst das nicht. Aus dir wird nichts.
Heute sitze ich in der zwölften Klasse und denke: Doch. Ich habe es geschafft.

Ich bin stolz auf mich. Meine Lehrerinnen von damals sind stolz auf mich. Meine Mutter ist stolz. Mein Vater ist stolz. Viele Menschen sind stolz auf mich – und das fühlt sich immer noch manchmal unwirklich an.

Mein ADHS ist trotzdem zu 100 Prozent da. Es ist nicht weniger geworden. In meinem Kopf herrscht oft Chaos. Wenn jemand redet und gleichzeitig etwas anderes passiert, höre ich beidem zu – und nichts richtig. Es ist eine Achterbahnfahrt im Kopf.
Ich stelle mir das wie eine Eisenbahnstrecke vor: Mehrere Gleise, mehrere Züge. Eigentlich hat ein Zug Vorrang – zum Beispiel das Lesen. Aber plötzlich kommt ein anderer Zug von hinten, hält an einer anderen Station, drängt sich vor. Die Gleise werden falsch gestellt, alles fährt gleichzeitig los. Und am Ende weiß ich nicht mehr, welcher Gedanke zuerst da war.

Interessanterweise war Mathematik schon immer mein bestes Fach. Ich konnte mir Dinge räumlich vorstellen, logisch denken, Zusammenhänge sehen. Das half mir – und zeigte mir, dass ich nicht dumm bin, auch wenn es sich oft so anfühlte.

In dieser Zeit habe ich vieles in mich hineingefressen. Ich wollte meine Mutter nicht mehr belasten. Ich war inzwischen 18 und dachte: Ich schaffe das allein. Irgendwann habe ich mich wieder ein Stück geöffnet. Nicht mit allem. Aber genug, um nicht ganz alleine zu bleiben.

Auch bei Freundschaften gab es Veränderungen. Anfang der elften Klasse hatte ich viele Menschen um mich herum. Später merkte ich, dass einige davon keine echten Freunde waren. Ich sortierte aus. Heute habe ich nicht viele Freunde, aber die richtigen. Menschen, mit denen man lachen kann – auch über dunkle Gedanken.

Und heute stehe ich hier:
Ich mache mein Fachabitur.
Ich habe einen festen Ausbildungsplatz als Automobilkaufmann.
Ich weiß, dass mein Weg nicht leicht war – und auch nicht vorbei ist.

Das Chaos im Kopf bleibt.
Aber ich habe gelernt, damit zu leben.

Wie es weitergeht – und was ich euch mitgeben möchte

Jetzt stehe ich wieder an einem Punkt, an dem sich alles verändert. Ich gehe von der Schule weg – und setze mich sinnbildlich wieder auf den Schleuderstuhl. Der Unterschied zu früher: Ich habe Hoffnung.

Ich habe keine Angst mehr vor dem, was kommt. Ich bin offen für die Berufsschule, offen dafür, neue Menschen kennenzulernen, offen für einen echten Neustart. Nicht, weil ich glaube, dass alles leicht wird – sondern weil ich weiß, dass ich es schaffen kann.

Mein ADHS ist immer noch da. In meinem Kopf. Der rote Knopf existiert noch. Aber ich habe gelernt, ihn zu verstecken, ihn zu schützen – und mir selbst zu sagen: Du schaffst das, Tim. Mit diesem Gefühl werde ich die Schule verlassen. Mit Stolz.

Ich habe es bis hierhin geschafft. Und das hätte mir früher niemand zugetraut – am wenigsten ich selbst.

Und an euch, die das auch haben, möchte ich etwas sagen:
Öffnet euch. Redet darüber. Auch wenn es schwerfällt.
Seid bereit für Veränderungen. Sie sind nicht immer angenehm – aber sie sind nicht immer schlecht. Das habe ich gelernt.

Seht ADHS nicht nur als Krankheit oder als Ballast. Ja, es belastet. Ja, es macht Dinge schwerer. Aber sobald ihr lernt, wie ihr damit umgeht und wie ihr es für euch nutzen könnt, kann es auch eine Superkraft sein. Eine, die euch anders denken lässt, schneller fühlen lässt, tiefer wahrnehmen lässt.

Wenn ich eines gelernt habe, dann das:

Wenn ich es bis hierhin geschafft habe, dann könnt ihr das auch

Von Tim Stelling

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